Mit 42 schwanger werden? Ganz ehrlich: Noch ein paar Jahre vorher hätte ich wahrscheinlich selbst nicht gedacht, dass ich einmal genau danach suchen würde.
Wir hatten bereits einen Sohn, der inzwischen fast zehn Jahre alt ist. Wir waren zu dritt glücklich, hatten unseren Alltag gefunden und uns als kleine Familie ziemlich gut eingespielt. Während mein Mann sich schon länger ein weiteres Kind vorstellen konnte, war dieser Wunsch bei mir zunächst gar nicht so ausgeprägt.
Ich hatte andere Dinge im Kopf. Meine Arbeit. Unser Familienleben. Und vielleicht auch die Bequemlichkeit, die irgendwann wieder einzieht, wenn das eigene Kind größer und selbstständiger wird.
Und dann kam mit ungefähr 40 plötzlich dieser Gedanke:
Wäre es nicht doch schön, noch einmal ein Kind zu bekommen?
Kinderwunsch mit 40 – und plötzlich waren da tausend Gedanken
Mit diesem Wunsch kamen bei mir allerdings nicht nur Vorfreude und schöne Vorstellungen.
Da waren auch jede Menge Zweifel.
Will ich wirklich noch einmal von vorne anfangen? Schwangerschaft, Babyzeit, schlaflose Nächte? Was macht eine weitere Schwangerschaft mit meinem Körper? Wie verändert sich unser Leben als Familie? Was bedeutet ein zweites Kind beruflich für mich?
Und natürlich war da mein Alter.
Man hört schließlich ständig, dass eine Schwangerschaft ab 35 bereits als Risikoschwangerschaft gilt. Mit Anfang 40 macht das nicht unbedingt entspannter.
Ich stellte mir deshalb immer wieder dieselbe Frage:
Was, wenn wir es nicht versuchen und ich es irgendwann bereue?
Vielleicht würde ich später zurückblicken und denken: Warum hast du es nicht früher versucht?
Und genauso gut konnte es natürlich sein, dass ich mit über 40 überhaupt nicht mehr schwanger werden würde.
Irgendwann war für mich deshalb klar: Ich möchte zumindest wissen, ob es noch einmal klappt.
Ich hörte auf zu verhüten.
Nur passierte erst einmal … nichts.
Mit 42 begann ich, meinen Zyklus richtig zu beobachten
Eine ganze Zeit lang ließen wir es einfach darauf ankommen. Als ich Mitte 42 war, wollte ich meinen Zyklus dann genauer kennenlernen.
Ich begann, meinen Zyklus zu tracken und meinen Eisprung mithilfe von Ovulationstests zu bestimmen. Meine ersten Ovulationstests bestellte ich bei Amazon.
Und ungefähr drei Monate später passierte tatsächlich das, worauf wir gehofft hatten:
Ich war schwanger. Mit 42.
Das Verrückte daran?
Im ersten Monat bemerkte ich überhaupt nichts.
Keine besondere Müdigkeit. Keine Übelkeit. Kein ominöses „Ich wusste sofort, dass ich schwanger bin“.
Nichts.
Erst als meine Periode ausblieb, kaufte ich einen Schwangerschaftstest.
Positiv.
Da waren plötzlich diese zwei kleinen Striche – und aus einem Gedanken, der mich über Jahre begleitet hatte, wurde Realität.
Schwanger mit 42 – und dann kam die Überraschung beim Ultraschall
Einige Wochen später bestätigte meine Frauenärztin die Schwangerschaft.
Ungefähr ab der siebten Schwangerschaftswoche verabschiedete sich dann auch meine bis dahin ziemlich symptomfreie Schwangerschaft.
Und wie.
Mir war unglaublich übel. Ich konnte kaum etwas essen und gefühlt nichts mehr riechen. Dazu kamen Müdigkeit und diese bleierne Abgeschlagenheit, bei der man sich manchmal fragt, wer eigentlich heimlich über Nacht den eigenen Akku ausgebaut hat.
Aber die wirklich große Überraschung sollte erst noch kommen.
Bei meinem zweiten Termin schaute meine Frauenärztin beim Ultraschall genauer hin.
Zwillinge.
Oh mein Gott.
Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.
Und gleichzeitig war da etwas ganz Besonderes: Ich hatte mir früher tatsächlich immer Zwillinge gewünscht.
Jetzt war ich mit 42 schwanger – und erwartete plötzlich zwei Babys.
Das glaubt mir keiner.
Später stellte meine Frauenärztin fest, dass es sich um eineiige Zwillinge handelte.
Wir freuten uns unglaublich auf unsere beiden Babys.
Mein Alter war da – aber es bestimmte nicht jeden Tag meiner Schwangerschaft
Natürlich wusste ich, dass eine Schwangerschaft mit 42 medizinisch anders betrachtet wird als eine Schwangerschaft mit Mitte 20.
Meine Frauenärztin hatte mich über die möglichen Risiken aufgeklärt. Gleichzeitig hatte sie mich schon vorher immer wieder darin bestärkt, dass mein Alter allein kein Grund sein musste, meinen Kinderwunsch aufzugeben.
Als es endlich geklappt hatte, freute sie sich mit uns.
Und zunächst verlief meine Schwangerschaft ohne Komplikationen.
Mir war zwar weiterhin ziemlich übel und mein Bauch wuchs erstaunlich schnell – aber gut, da waren schließlich auch zwei kleine Menschen
unterwegs.
Wir machten die vorgesehenen Untersuchungen und Tests.
Ich wollte einfach wissen:
Sind unsere Babys gesund?
Anfang des vierten Monats änderte sich alles
Bei einer Untersuchung Anfang des vierten Monats bemerkte meine Frauenärztin eine ungewöhnliche Entwicklung bei unseren Babys.
Weitere Untersuchungen folgten.
Und dann bekamen wir die Nachricht, vor der sich wahrscheinlich alle werdenden Eltern fürchten.
Bei unseren beiden Babys wurde Trisomie 18 festgestellt.
Uns wurde erklärt, dass unsere Mädchen keine Überlebenschance hatten.
Unsere beiden Mädchen.
Bis dahin waren sie Zukunft gewesen. Vorstellungen. Zwei Babys, über die wir gesprochen hatten. Zwei kleine Menschen, die bereits einen Platz in unserer Familie hatten.
Und plötzlich sollten wir sie verlieren.
Es war ein Schock.
Und es hat lange gedauert, damit umzugehen.
Es gibt wahrscheinlich keine perfekten Worte für so einen Moment. Und ich möchte hier auch gar nicht so tun, als hätte ich irgendeine wunderschöne Lebensweisheit gefunden, die plötzlich alles leichter gemacht hat.
Das habe ich nicht.
Wir haben unsere beiden Mädchen verloren.
Und sie gehören trotzdem zu unserer Geschichte.
Und trotzdem ist unser Kinderwunsch noch da
Nach diesem Verlust hätte ich natürlich sagen können: Das war es.
Vielleicht wäre das sogar die vermeintlich vernünftigere Entscheidung gewesen.
Aber unser Wunsch nach einem weiteren Kind ist nicht verschwunden.
Wir versuchen es wieder.
Aktuell tracke ich meinen Eisprung wieder und nutze dafür digitale Ovulationstests.
Natürlich ist es diesmal anders. Ich kenne jetzt nicht nur die Hoffnung, sondern auch die Angst.
Die Angst, dass ich vielleicht nicht mehr schwanger werde.
Die Angst, dass es zwar klappt, aber wieder etwas passiert.
Die Angst davor, irgendwann erneut an einem Punkt zu stehen, an dem eine einzige Untersuchung plötzlich das ganze Leben auf den Kopf stellt.
Diese Gedanken kann ich nicht einfach wegwischen.
Aber gleichzeitig schaue ich unseren Sohn an.
Ich sehe, wie liebevoll er mit kleineren Kindern in unserem Freundeskreis und unserer Familie umgeht. Was für ein toller Junge aus diesem kleinen Menschen geworden ist, den wir vor fast zehn Jahren bekommen haben.
Und ja, das erfüllt mich mit unglaublich viel Stolz.
Warum ich mit über 40 noch einmal Mama werden möchte
Natürlich wünsche ich mir ein weiteres Kind für meinen Mann und mich.
Aber ein Gedanke begleitet mich dabei besonders.
Ich wünsche mir auch für unseren Sohn einen Menschen an seiner Seite.
Ein Geschwisterkind.
Jemanden, mit dem er Erinnerungen an seine Kindheit und seine Familie teilen kann. Und vielleicht irgendwann, wenn wir Eltern alt sind oder eines Tages nicht mehr da sind, jemanden, bei dem ein Teil seiner Familie weiterlebt.
Natürlich weiß ich, dass Geschwister keine Garantie dafür sind, später eng miteinander verbunden zu sein.
Aber der Wunsch danach ist trotzdem da. Und deshalb versuchen wir es weiter.
Schwanger über 40: Ich weiß nicht, wie unsere Geschichte ausgehen wird
Vielleicht ist genau das der schwierigste Teil meines Kinderwunsches mit über 40:
Ich kann euch heute kein Happy End präsentieren.
Ich schreibe diesen Artikel nicht mit einem Baby auf dem Arm und dem Satz: „Seht ihr, am Ende hat alles funktioniert.“
Ich weiß selbst noch nicht, wie unsere Geschichte weitergeht.
Vielleicht werde ich bald wieder einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand halten.
Vielleicht dauert es.
Vielleicht werden wir noch einmal mit Ängsten konfrontiert, von denen ich heute hoffe, dass sie nicht eintreten.
Aber ich möchte diese Geschichte auf NELLILIEBE genau deshalb erzählen, während wir noch mittendrin sind.
Nicht erst irgendwann rückblickend, wenn alles ordentlich sortiert und abgeschlossen ist.
Denn vielleicht sitzt gerade irgendwo eine andere Frau Anfang 40 vor ihrem Handy und fragt sich:
Bin ich zu alt für ein weiteres Kind?

